Jeans, Shorts oder Bermudas sind nun in der Herrenwelt definitiv out. Denn Mann setzt nun auf eine weiblichere Interpretation seines Modestils, geht es nach zahlreichen britischen Designern, allen voran J.W.Anderson. Bei 30°C im Schatten, strahlendem Sonnenschein und glühender Hitze kann man es verstehen, wenn der Mann neidisch zu den Damen in ihren kurzen luftigen Kleidern schaut. Das dachte sich wohl auch Anderson, als der Nordire bei der „London Collection Men“ seine männlichen Models in Designs über den Laufsteg laufen ließ, die definitiv die Grenzen zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit verschwimmen lassen. Kein Wunder. Denn schon lange beschäftigen sich Soziologen wie Psychologen mit der Frage, inwieweit unsere von der Kindheit an anerzogene Kleiderwahl unsere Sozialisation beeinflusst. Schließlich wird wohl den meisten Jungen beigebracht, dass nur Mädchen Röcke und Kleider tragen dürfen. Passend zur erstmaligen Wahl zweier Pantonefarben des Jahres, die die Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit verschwimmen lassen sollen, ziehen nun scheinbar auch die Designer nach.

Anderson überraschte seine Gäste mit schürzenartigen, knielangen Kreationen in Knallfarben, unter anderem in strahlendem Gelb und leuchtendem Rosa. Hemdblusen-Kleider und knöchellange Strickpullover sind nur einige Beispiele, die man wohl eher aus dem Kleiderschrank der Damen kennt. Kombiniert werden dazu bunte Sneakers im Stil der Chucks und alte Granny-Taschen, die man wunderbar auf dem Flohmarkt oder im Second-Hand-Handel ergattern kann. Anderson ist bereits seit Langem für seine sogenannten „shared Wardrobes“ bekannt, also Mode, die sowohl für sie als für ihn geeignet ist. Erstaunlich, ist der britische Kleiderstil doch besonders für seine genderspezifischen Kreationen bekannt, die auch von der royalen Familie entsprechend repräsentiert werden. Nur der Schottenrock bildet davon eine Ausnahme. Doch auch auf der Insel unterliegt die Mode – und nicht nur die Politik – derzeit einem enormen Wandel. Hoffen wir, dass heterosexuelle Paare sich nicht in Zukunft streiten, wem das Kleid gehört und wer es heute tragen darf. Bis dahin beobachte ich weiter gespannt die modischen Entwicklungen!