Muss es denn immer neu sein? Diese Frage beschäftigt die Fashion-Welt nicht erst seit einigen Wochen. Schließlich neigt man in dieser konsumorientierten Zeit stark dazu, mehr und mehr zu kaufen. Die Devise ist dabei: Nur neu, nur unberührt, nur aktuell ist das einzige, was wirklich für die Fashionistas zählt. Und das wissen die Designer – und entwickeln Trends über Trends, denen wir alljährlich folgen. Was davon im nächsten Jahr bleibt, ist eine Kiste voller ungetragener Sachen, die im Keller verschwindet. Der Überkonsum fordert also seine Leichen in Form von verrottenden Schuhen, Accessoires und Kleidungsstücken, während man am nächsten Tag bereits in einen weiteren Laden schlendert und sich etwas Neues kauft. Dies ist nicht nur eine unglaubliche finanzielle Belastung, sondern vor allem eine Verschwendung von Rohstoffen. Denken wir nur einmal daran, wie viele Arbeitsstunden, also Humankapital, in einem handgefertigten Wollpullover steckt. Wie lange dauert eigentlich das Stone Washing einer Jeansjacke? Wie aufwändig ist die Herstellung von Elastan-Fasern? Und nun stellen wir uns die ganzen Arbeitsprozesse in Millioneneinheiten vor.

Gut, dass es auch Menschen gibt, die nicht nur auf Neuwaren setzen, sondern auch zu gebrauchten Produkten greifen. Für einige Konsumenten aber unvorstellbar. Denn sie verbinden mit dem Wort „gebraucht“ etwas Altes und weniger Wertvolles. Etwas, was ihren Ansprüchen an ein Statusprodukt eben nicht mehr entspricht. Schließlich war es bereits im Besitz einer anderen Person. Wie handhaben sie das aber dann bei ihren Autos? Muss es immer ein Neuwagen sein? Wohl eher nicht, solange das Gesamtbild stimmt. Warum also werden Second-Hand-und Gebraucht-Kleidung dann so verschmäht? Die Werbeindustrie trägt wohl eine Teilschuld daran.

Wer aber kein Problem mit bereits benutzter Kleidung hat, kann wirklich etwas für die Nachhaltigkeit in der Modebranche tun. Eben als Konsument. Und so ein Zeichen setzen. In den meisten Städten haben sich bereits einige Second-Hand-Laden etabliert. Andere Optionen sind Tauschbörsen wie Kleiderkreisel oder Umsonst-Läden, in denen man sich mitnimmt, was man braucht und das dort lässt, was man zu viel im Keller hat. Also jene Stücke, die sonst einstauben würden. Eine weitere Option sind Kleiderspenden.